Labende Wegzehrung: Von wegen, eine Erzählung! Es finden sich hier viele Wege, die erzählt werden. Wege, die eine Protagonistin geht, und die auch die Bilder im Kopf gehen. Was steht hier wirklich geschrieben? „Sie wußte nicht, was das bedeutete, vielleicht bedeutete es etwas für sie, jedenfalls wird davon erzählt, es ist eine Geschichte.“ Mit diesem Verhältnis von Geschichte und Geschichten spielt Spielhofer mit wunderbarer Sprachfertigkeit. Den Stoff nimmt sie als (distanzschaffende) Textilie immer auch wörtlich, sie kennt das Holz, aus dem Berge und Felsen geschnitzt sind, sie weiß um die Gewalt gegen Frauen, von Nazigold und frischer Bergluft. Einmal ist der Text fesselnd spannend und sogleich verlieren sich wieder die Bilder, die Assoziationen. Es geht dahin auf diesen Wegen, Pfaden Steigen, es gibt unzählige – auch dessen, wie dieser Band gelesen werden kann. Das verwirrt und eröffnet, „die Freiheit wirft einen Schatten“. Spielhofer verunmöglicht Eindeutigkeiten, und doch ist nichts schwer, sie erzählt präzise und schürt die Wanderlust durch die Berge der Geschichte/n.

(Rezension von Meike Lauggas)